Der ökologische Rucksack

 / Der ökologische Rucksack
Ökologischer Ruckack
11 Nov

Der ökologische Rucksack

11. November 2015

Als ich das erste Mal von dem Begriff „ökologischer Rucksack“ hörte, stellte ich mir ungefähr das hier vor:

oekologischer_rucksack_laub
Doch ich wurde ziemlich schnell eines Besseren belehrt.

Der ökologische Rucksack ist eine Art Metapher, die all das zusammenfasst, was für unsere täglichen Ver- und Gebrauchsgüter aber auch Dienstleistungen eigentlich wirklich für Ressourcen verbraucht werden und wurden. Ich packe meinen Koffer und nehme mit: ziemlich viel. Das kann eigentlich keiner tragen und doch ist es Realität.

Entwickelt wurde das Konzept in den 90er Jahren von einem Herrn Schmidt-Bleek (Kumpels nennen ihn Friedrich). Schmidti (so nenne ich ihn) hat das Bild des ökologischen Rucksacks ins Spiel gebracht, um sein Konzept MIPS (Material-Input pro Einheit Service) zu erläutern.

 

MIPS – Was soll das sein?

Schmidti misst mit dieser Einheit, was bestimmte Dinge für Ressourcen verbrauchen. Da geht es ganz schön ins Detail. Nachwachsende, mineralische und fossile Rohstoffe werden genauso in die Berechnung einbezogen, wie die Energie für den Abbau der Rohstoffe, der Materialverbrauch in der Produktion und der Energieverbrauch bei der Nutzung. Ein Beispiel: Eine Tonne Steinkohle trägt in ihrem Rucksack unter anderem 5 Tonnen Wasser und ca. 3,3 Tonnen Kohlendioxidemissionen. Der Öko-Rucksack von Steinkohle ist 8,5-mal so schwer, wie die Kohle selbst – da hat sie einiges zu schleppen, die Kohle. Und jetzt überlegt euch mal, was wir so zu schleppen haben, wenn wir mal im Garten grillen? Waaaah! Schmidti errechnete, dass jedes Kilo Industrieprodukt durchschnittlich circa 30 Kilo Natur im Rucksack trägt.

Der Selbstversuch – mein ökologischer Rucksack

Auf der Internetseite des NABU konnte man lange den ökologischen Rucksack verschiedenster Produkte berechnen. Leider (Stand: 25.02.2021) gibt es diesen Rechner nicht mehr. Ich hatte das mal ausgetestet und den mir den ökologische Rucksack eines Handys, eines Laptops sowie eines Liters Bier berechnen lassen.

789 Kilo!?!? Und das ist nur ein Bruchteil der Dinge, die der moderne Mensch im Alltag verwendet und verbraucht. Das Tolle an dem Rechner von NABU ist, dass dem User auch vorgeschlagen wird, wie das Gewicht verringert werden kann. Im Falle des Handys kommen zur „Lasterleichterung“ zum Beispiel in Frage ein Second-Hand Gerät zu kaufen, sein Handy sehr lang zu benutzen, statt sich ständig ein neues zu kaufen oder ein besonders energiesparendes Telefon zu erwerben. Auch kann man alte Handys zum Recyclinghof bringen, damit die Rohstoffe wieder verwertet werden können. Im Bezug auf die Reduzierung des Rohstoffverbrauchs von Bier wird neben dem maßvollen Genuss auch empfohlen regionales Bier zu trinken, um die Transportkosten zu sparen und nur Bier aus Mehrwegflaschen zu trinken, da diese wieder verwendet werden können.

 

Einen guten Rechner für eine Lebensgewohnheiten findest du hier: https://www.ressourcen-rechner.de/

 

Die Lösung für kleinere ökologische Rucksäcke

Schmidti fordert die radikale Dematerialisierung der Wirtschaft. Das bedeutet, dass der Materialverbrauch so stark gesenkt werden soll, dass die Ökosphäre nicht langfristig geschädigt wird. Um dieses Ziel durchzusetzen hat Schmidti ganz oldschool einen Club gegründet. Clubs sind eine super Sache bestimmten Forderungen Nachdruck zu verleihen, denn eine kritische Masse von schlauen Leuten wird eher gehört als ein einzelner kleiner Schmidti.
Der Faktor-10-Club besteht aus wichtigen Persönlichkeiten aus Regierung, Bürgervereinigungen, Industrie und Wissenschaft und wurde 1994 in Frankreich gegründet. Faktor 10 ist die Menge, um die wir unseren Energieverbrauch reduzieren müssten, sagt Schmidti. Das bedeutet eine „zehnfache Kürzung in Energie-, Wasser- und Materialverbrauch“. Uff, das klingt nach einer ganzen Menge, allerdings soll das mittels bereits vorhandener Technologien ganz ohne große Einbußen in der Lebensqualität möglich sein.

 

Der ökologische Fußabdruck

Ein bisschen bekannter als der ökologische Rucksack dürfte uns allen der ökologische Fußabdruck sein. Hier besteht Verwechslungsgefahr, obwohl die beiden Metaphern etwas anderes meinen. Der ökologische Fußabdruck bemisst kurz gesagt die Fläche der Erde, die ein Mensch „besetzt“, um seinen Lebensstandard zu halten. Darin eingeschlossen ist zum Beispiel die Fläche für die Produktion von Nahrung und Kleidung oder die Entsorgung von Abfall. Seinen eigenen Fußabdruck kann man auf einer Internetseite von Brot für die Welt errechnen lassen.
ökologischer Fußabdruck berechnen

Der Fußabdruck wird in Globalen Hektar (gha) pro Person und pro Jahr angegeben. Das wird zum Beispiel im Durchschnitt für Länder errechnet und kann so ganz gut darstellen, wie umweltbewusst ein Land wirtschaftet. Aber auch für die individuelle Berechnung eignet sich der Fußabdruck ganz gut. Der Hauptunterschied ist also die Maßeinheit. Während der ökologischer Rucksack das Gewicht unseres Rohstoff- und Energieverbrauchs darstellt, zeigt der Fußabdruck die Fläche. Und egal welches von beiden man betrachtet, es ist zur Zeit definitiv noch zu hoch.

shutterstock_336921035

Wozu ökologischer Rucksack und Fußabdruck?

Im Endeffekt sind diese Metaphern vor allem dazu gut, uns zu veranschaulichen, was wir eigentlich tagtäglich mit unserer Erde anstellen. Ohne Vergleichswerte und greifbare Informationen ist uns heutzutage gar nicht mehr bewusst, welche Ressourcen wir indirekt verbrauchen. Man muss sich nur mal vorstellen, dass wir früher als Jäger und Sammler ganz genau gesehen haben, was wir von der Erde nehmen. Wir haben es mit unseren eigenen Händen berührt und erarbeitet. Heute erarbeiten die meisten Dinge andere Menschen für uns. Über den Mittler Geld erhalten wir alles, was wir brauchen aber wir verlieren dabei mehr und mehr den Bezug dazu. Außerdem wird durch Massenproduktion und so weiter das System so komplex, dass ein Otto Normalverbraucher gar nicht mehr richtig verstehen kann, was da eigentlich passiert. Der ökologische Rucksack und auch der Fußabdruck machen uns die Dimensionen unseres täglichen Ver- und Gebrauchs deutlich. Diese Erkenntnis ist der erste Schritt zu umweltbewussterem Denken und Handeln. Denn mal ehrlich: wer hat denn schon Lust, ständig so einen schweren Rucksack durch die Gegend zu schleppen?

Bildquellen:

Rucksack mit Laub von Shutterstock
Spuren im Sand von Shutterstock
Junges Paar mit Hund und Rucksäcken von Shutterstock

Kommentar
  • Kerstin
    12. Juni 2017, 15:40

    Wunderbar, vielen lieben Dank für diesen schönen Artikel! Es ist schon sehr wichtig, sich seinen Verbrauch mal bewusst zu machen. Dafür liebe ich die diversen Rechner, die man aktuell so finden kann im Netz.
    Viele Grüße,
    Kerstin
    Laboratorium für Nachhaltigkeit

Hinterlasse eine Nachricht

Johanna

Johanna lebte 2014/15 während ihres Studiums der Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation fast ein Jahr in Valencia. Mittlerweile arbeitet sie als New Work- und Digital Transformation Beraterin in ihrer Heimatstadt Berlin und kehrt trotzdem mindestens einmal im Jahr in ihre "2. Heimat" am Mittelmeer zurück. Steven und Johanna kennen sich schon ziemlich lange und deswegen darf sie hier auch ab und zu ihren Senf dazu geben.