Hundert Mal gerettet.

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19 Dez

Hundert Mal gerettet.

19. Dezember 2014

von Jannis Riebschläger
Der Plan steht: Von Leverkusen nach Bari in Süditalien, soll es gehen, ohne einen Cent fürs Reisen auszugeben. Um zu zeigen, dass Reisen nicht teuer sein muss und um meine eigenen Grenzen kennen zu lernen. Wozu immer die Hektik beim Reisen?
Die 2 Millionen unglaublichen Meter liegen inzwischen hinter mir. Über die Alpen bin ich gewandert, den Rest der Strecke getrampt. Die Erfahrungen, die ich dabei gemacht habe, möchte ich auf keinen Fall missen! Jeden Abend bin ich eingeschlafen und mein Kopf schwirrte von den Erlebnissen des Tages. Vom Weg, von der Natur und vor allem von den Menschen, die ich getroffen habe. Ohne sie wäre ich nicht weit gekommen. Ich bin jedem dankbar, der mich ein Stück mitgenommen hat, jedem, der mir einen Schlafplatz angeboten hat und jedem, der mir gegenüber offen war.
Ein paar Begegnungen sind dabei natürlich besonders in Erinnerung geblieben. Immer wenn ich dachte, ich komme nicht mehr weiter, bekam ich Hilfe. Ohne diese Hilfe wäre ich mit Pauken und Trompeten gescheitert.
 

Verhungert und Erfroren

Jannis_Life_Anekdote_Gutes_tun
Das wäre ich wohl ohne diese Dame. Gerade über den Alpenhauptkamm nach Südtirol gewandert, stand ich in Italien. Ohne Proviant und ohne Geld. Hungrig pflücke ich ein paar Beeren, die ich am Wegesrand finde, doch die machen nicht lange satt. Mit knurrendem Magen komme ich schließlich in einem kleinen Tal an, bestehend aus drei ärmlichen Häusern und einer kleinen Gaststätte. Da Sonntag ist, sind die Bewohner der Häuser selbst knapp mit dem Essen, also versuche ich mein Glück in der Gaststätte. Ich frage nach nur nach einer Scheibe Brot. Was ich bekomme sind sechs Brötchen und eine Packung Käse.
Eins kann ich euch sagen: So gut hat mir noch nie ein Käsebrot geschmeckt.
Anschließend gehe ich den Weg ein Stück zurück, zu einer verlassenen Weide, auf der ich mein Zelt aufschlage.
Am nächsten Morgen ist es leicht am Tröpfeln. Aber in Italien ist das Wetter zum Glück immer gut, deshalb warte ich einfach, bis es aufgehört hat und das Zelt getrocknet ist.
Eine Stunde später ist es am Schütten wie aus Eimern. In dem Zelt, das ich im Vertrauen auf das gute Wetter nicht richtig aufgebaut habe, erreicht der Wasserspiegel die Oberkante der Luftmatratze. Ich liege in einem eiskalten Planschbecken. Hier kann ich nicht bleiben, also schnell zum nahegelegenen Unterstand.
Das kleine Holzdach, das Geräte vor Regen schützen soll, schützt keineswegs vor dem schneidenden Wind, schon gar nicht einen tropfnassen Wanderer wie mich. Ich muss weiter, weg, irgendwo hin, wo es warm ist, wo ich Unterschlupf finde.
Wieder führt mein Weg mich zu der kleinen Gaststätte. Man erinnert sich an mich und sogleich werde ich freundlich hereingebeten. An der Heizung trockne ich meine klitschnasse Kleidung, im Heizkeller trocknen Schlafsack und Zelt. Während ich mich fröstelnd an der Heizung wärme, stellt mir die freundliche Gastwirtin Tee, Marmeladenbrote und Obst hin. Alles schmeckt wie der Himmel auf Erden. Aber neben der Wärme des Raumes und der sättigenden Köstlichkeit der Verpflegung fühle ich vor allem eins: Tiefe Dankbarkeit.
Dies ist eines der schönsten Gefühle der Welt. Ich habe mir vorgenommen, es zu verbreiten, wo ich nur kann. Ich werde keinen Tramper stehen lassen und keine Wanderer draußen frieren.
Was nimmst du dir vor, um die Welt ein Stückchen besser zu machen?
 
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Dieser Gastbeitrag von Jannis ist ein Teil des Funkloch Adventskalenders 2015, bei dem Reisende über “Gutes tun” berichten.
Eine Übersicht aller Adventskalender-Beiträge findet ihr hier.
jannis_life_blog_reisenJannis macht gerade sein Abitur, hat noch nicht viele Einnahmen und reist für einen schmalen Taler durch die Welt. Ähnlich wie in dieser Erzählung versucht er immer möglichst wenig auf Reisen auszugeben. Dafür verzichtet er auf Komfort und Luxus und kann so einen Reisetag für etwa 10 bis 15 Euro verbringen. Über sein Leben als Backpacker, Tramper, Anhalter, Couchsurfer und Outdoor-Fan berichtet er auf seinem Blog Jannis´ Life.

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Steven Hille

Steven ist der Autor des nachhaltigen Reiseblogs Funkloch. Irgendwann dachte er sich, dass er nur noch Projekte realisieren sollte, die einen guten Nutzen haben. Aus dieser Idee heraus sammelte er Spenden für ein Tigerbaby, unterstützte ein nationales Bienenprojekt, baute einen Brunnen in Uganda und gründete mit Freunden die NGO WeWater, die sich für sauberes Trinkwasser einsetzt.