Fragen an einen Reisenden

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2 Jun

Fragen an einen Reisenden

2. Juni 2014

Fragen beschäftigen uns unser Leben lang. Bereits im Kindesalter fangen wir an Dinge zu beobachten, versuchen ihre Bedeutung zu verstehen und falls wir selbst nicht auf die Lösung kommen, ja dann fangen wir an zu fragen. Wir Menschen sind von Natur aus wissensdurstig und sind bestrebt alles zu verstehen. Aber oft fragen wir auch aus reiner Neugier. Vielleicht, weil wir einen Menschen gerade erst kennengelernt haben und mehr über ihn wissen wollen. Vielleicht aber auch, um uns mal eine andere Meinung anzuhören.
Als ich in Japan war, traf ich Tino. Ich traf ihn nicht etwa in einer der vielen Städte, die ich besichtigte, nein, ich traf ihn im Internet. Wir waren beide zeitgleich in Japan und online unterwegs nach Informationen. So kam es, dass Tino meinen Blog aufspürte, den Artikel über den Mount Fuji las und kommentierte. Bis heute haben wir hin und wieder Kontakt und tauschen uns über das Reisen oder die weite Welt aus. Persönlich kennengelernt haben wir uns aber noch nicht. Bisher nicht. Heute will ich elf Fragen beantworten, die er mir stellte:
  

Welches Verkehrsmittel bzw. Fortbewegungsmöglichkeit bevorzugst Du, wenn Du innerhalb eines Landes reist?

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Ich liebe es mit dem Fahrrad unterwegs zu sein. Es ist eine grandiose Art sich fortzubewegen. Dabei bin ich auf keine Abfahrtzeiten angewiesen und kann mich doch in akzeptabler Geschwindigkeit fortbewegen. Es ist ganz egal welchen Ort ich bereise – ein Fahrrad habe ich fast immer gemietet.
Für weitere Strecken nutze ich gerne den Zug. Zug fahren ist nicht sehr schädlich für die Umwelt, garantiert im Regelfall pünktliche Ankunftszeiten und ist um einiges entspannter als Autofahren, Busfahren oder Fliegen.
 

Wie nächtigst Du am liebsten und warum?

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Ich war den größten Teil meines Lebens ein Jemand, der seinen eigenen Besitz und seinen eigenen Raum brauchte. Und ein Jemand, der ganz klar zwischen meins und deins abgrenzte. Ich hätte mir zu dieser Zeit wohl nie träumen lassen, dass ich eines Tages lieber mit vielen fremden Menschen in einem Hostelzimmer nächtige, als alleine in einem Hotelzimmer. Ich mag die unkomplizierte Art eines Hostels, den Erfahrungsaustausch und das offene Miteinander. Alternativ übernachte ich auch gerne bei Einheimischen und miete diese Wohnmöglichkeiten über Flatsharing Anbieter wie airbnb.
 

Wie lange im Voraus buchst und organisierst Du Deine Reisen?

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Ich plane meine Reisen eher kurzfristig. Aus der Vision mal einen Ort oder ein Land zu besuchen wird ganz schnell Wirklichkeit, wenn ich ein paar Tage frei habe oder Urlaub nehme. Das sind meistens etwa vier Wochen im Voraus. Dann wird als erstes die Bahnfahrt oder der Flug gebucht, anschließend die erste Unterkunft. Die Entscheidung, wo es als nächstes hingeht oder was ich am Tage unternehme, fällt erst am Vortag.
 

Reist Du lieber alleine, mit Partner oder mit Freunden? Warum?

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Ich mag es mit dem Partner oder einem Freund zu reisen, finde es jedoch viel spannender alleine unterwegs zu sein. Nur beim Alleinreisen habe ich bisher so viele und spannende Menschen kennengelernt. Wenn du alleine oder mit einem Begleiter reist, dann bist du nicht auf andere angewiesen. Ihr habt einander, unterhaltet euch und geht bei der Planung oder bei Problemen gemeinsam durch dick und dünn. Dabei verpasst du den Kontakt zu anderen Reisenden oder Einheimischen und lernst viel weniger über Land und Leute kennen.

Wie informierst Du Dich über Dein Reiseziel?

Primär online und in anderen Reiseblogs. Falls ich in Blogs nicht nach Informationen fündig werde, dann schaue ich mir die Bewertungen und Kommentare auf großen Plattformen an. Die Tipps, die Marco Polo und Lonely Planet geben sind meistens schon weit bekannt. Was zur Folge hat, dass diese Orte zu Touristenhochburgen werden. Da ich Insidertipps bevorzuge, vertraue ich anderen Bloggern und der breiten Masse mehr.

Welches Land oder welche Region könnte für eine Zeit lang ein neues zu Hause für Dich sein?

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Wenn ich sehr rational entscheiden müsste, dann würde ich ein Land in Südeuropa wählen. Dort ist man ziemlich sicher, gut versichert und immer einen Katzensprung in Richtung Heimat entfernt. Die Europäische Union hat diesbezüglich viele Vorteile.
Andernfalls könnte mir auch gut vorstellen in einem kleinen Resort, auf einer noch kleineren Insel zu leben. Ich könnte dort etwas Geld in der Gastronomie verdienen und das Leben geniessen. Das würde mir aber sicherlich schnell langweilig werden. Daher könnte ich mir auch vorstellen in einer asiatischen Großstadt zu leben. Bangkok und Tokio würden mich reizen.
 

Nach Packliste oder eher spontan – wie packst Du Deinen Rucksack / Koffer?

Ich packe nicht auf Basis einer konkreten Packliste. Meistens beginne ich eine Woche vor Abreise alle wichtigen Dinge bereit zu legen, so dass ich sie später nur noch in meinen Rucksack werfen muss. Da ich tendenziell immer viel zu viel mitnehmen möchte, sortiere ich beim Packen noch ordentlich aus.
 

Welches vielgelobtes Reiseziel hast Du besucht und Du selbst warst eher enttäuscht?

Mich hat bisher keines meiner Reiseziele so richtig enttäuscht. Entweder liegt das daran, dass ich sehr begeisterungsfähig bin oder eben daran, dass ich bisher noch nicht in eine Sightseeingfalle getappt bin.
 

Was war bisher Dein peinlichster Moment als Reisender?

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In Japan habe ich in Kobe in einem uralten Hotel gewohnt. In guter und traditioneller Manier wurden hier Sake, Zimmer- und Badeschuhe und Kimono (= typisch japanische Mäntel) bereit gestellt. In den Kimono, der eher als Schlafmantel taugte, hatte ich mich seit der ersten Nacht verliebt. So sehr, dass ich ihn einfach mitgehen lassen wollte. Doch das tat ich nicht. Beim Auschecken fragte ich den Hotelier, ob ich ihm einen dieser Schlafmäntel abkaufen konnte. Voller Gastfreundschaft und Bewunderung für mein kulturelles Interesse entschloss er sich kurzer Hand dazu, mir den Mantel zu schenken. Ich war überrascht und sprachlos zugleich. Doch am meisten schämte ich mich für meinen ursprünglichen Gedanken.
 

Welches Land oder Region hat bisher einen bleibenden Eindruck (positiv oder negativ) bei Dir hinterlassen?

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Am liebsten erinnere ich mich an Lissabon zurück. Die Hauptstadt Portugals hat an Charme und Lebensfreude so einiges zu bieten und hat sich dadurch tief in mein Gehirn gefressen. Von hier aus startete Vasco da Gama seine zahlreichen Entdeckungsfahrten und erreichte 1498 Indien über den Seeweg! Hier entstand der Fado, die Pastel de Nata und der sagenhafte Portwein. Lissabon bietet so vieles, so dass ich es mit Worten gar nicht beschreiben kann.
 

Was sind Deine persönlichen Tipps für Besucher Deiner Heimatstadt?

Berlin hat vieles zu bieten, doch für einen Berlinbesuch sind die folgenden Tipps wohl am wichtigsten:
– Nimm keine Schokolade von Fremden an.
– Pass auf, wenn du über die Straße gehst.
– Fühle dich nicht beleidigt, wenn du angeraunzt wirst. So sind se eben, die Berliner.
 
 
Auch ich möchte elf Fragen an zwei andere Blogger weitergeben. Und da mir Nachhaltigkeit sehr am Herzen liegt, beziehen sich alle folgenden Fragen auf nachhaltiges Reisen. Ich freue mich, dass Florian von nachhaltig-sein.info sowie Maja von low-budget-travel.com meiner Einladung folgen und die folgenden Fragen in ihren Blogs beantworten werden.
 
– Was genau bedeutet für dich Nachhaltigkeit?
– Wie kann man deiner Meinung nach nachhaltiger reisen?
– In welchen Ländern ist es möglich besonders nachhaltig zu reisen?
– Welche Reiseländer sind dir als Umweltschweine bekannt?
– Wie reist du am liebsten und wie denkt unsere Umwelt darüber?
– Wärst du bereit, bei Flugbuchungen einen Aufschlag für den CO2-Augleich zu zahlen?
– Welche Maßnahmen für den Umweltschutz würdest du auf Reisen für sinnvoll halten?
– Kennst du Reiseveranstalter, Fluggesellschaften, Hotels oder andere Organisationen, die nachhaltiges Reisen ermöglichen?
– Sagen dir die Begriffe Ökotourismus oder Sanfter Tourismus etwas?
– Welche Plattformen, Anbieter, Apps oder sonstiges kennst du, die sich mit dem Thema des nachhaltigen Reisens beschäftigen?
– Wie sieht deiner Meinung nach die Zukunft des Reisens aus? Wie verreisen wir im Jahr 2300 und wie steht es dann um unsere Erde?

Kommentar
  • Simon
    4. Juni 2014, 14:10

    Hi Steven
    Ich liebe so private Frage/Antworten zu lesen, vielen Dank dafür.
    Nach zwei Weltreisen und vielen weiteren war ich eigentlich auch von keinem Ort so richtig enttäuscht. Wie du schreibst, denke ich, das liegt an der Begeisterungsfähigkeit oder der Einstellung.
    Natürlich ist es nicht immer so, wie man es sich vorstellt und nie so grandios, wie es viele Reiseblogger (uns eingeschlossen) schreiben. Darauf sollte man auf jeden Fall vorbereitet sein.
    Liebe Grüsse, Simon

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Steven Hille

Steven ist der Autor des nachhaltigen Reiseblogs Funkloch. Irgendwann dachte er sich, dass er nur noch Projekte realisieren sollte, die einen guten Nutzen haben. Aus dieser Idee heraus sammelte er Spenden für ein Tigerbaby, unterstützte ein nationales Bienenprojekt, baute einen Brunnen in Uganda und gründete mit Freunden die NGO WeWater, die sich für sauberes Trinkwasser einsetzt.