Flugkompensation mit atmosfair: Meine Erfahrungen und warum es heute wichtiger ist denn je

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16 Dez.

Flugkompensation mit atmosfair: Meine Erfahrungen und warum es heute wichtiger ist denn je

16. Dezember 2025

Kennst du das? Du sitzt im Flugzeug, schaust aus dem Fenster auf die immer kleiner werdende Landschaft unter dir und spürst dieses unglaubliche Kribbeln im Bauch. Fliegen finde ich einfach großartig. Gleichzeitig weiß ich aber auch, dass gerade in diesem Moment Tonnen von CO₂ in die Atmosphäre geblasen werden. Genau dieses zwiespältige Gefühl begleitet mich seit Jahren.

Bereits 2014 schrieb ich hier über meine erste Erfahrung mit atmosfair. Damals kompensierte ich meinen Flug nach Amsterdam für schlappe 9 Euro. Inzwischen sind mehr als zehn Jahre vergangen und das Thema ist aktueller denn je. Der Flugverkehr wächst weiter, die Klimakrise verschärft sich nach einer Coronapause weiter und die Frage bleibt: Wie können wir reisen, ohne dabei unseren Planeten komplett zu ruinieren?

Warum ich trotz Fahrrad und Bahncard fliege

Ich versuche wirklich, im Alltag klimafreundlich zu leben. Mein Fahrrad ist mein Hauptverkehrsmittel, für längere Strecken nutze ich Bus und Bahn, ich beziehe Ökostrom und achte auf sparsame Elektrogeräte, fuhr Elektroauto und inzwischen sogar nur noch (E-Lasten)-Fahrrad. Seit über 10 Jahren esse ich kein Fleisch mehr, baue eigenes Obst und Gemüse im Kleingarten an. Alles Maßnahmen, die meinen CO₂-Fußabdruck deutlich reduziert haben, um etwa 30 bis 50 Prozent sogar.

Doch dann gibt es diese Momente, in denen ich einfach fliegen möchte. Oder muss. Manche Reiseziele liegen auf Inseln oder so weit entfernt, dass ich tage- oder gar wochenlang unterwegs wäre. Reiseziele wie Australien sind ohne das Fliegen einfach nicht zu erreichen. Will ich diesen Verzicht auf mich nehmen?

Aber was nützen all meine Einsparungen im Alltag, wenn ein einziger Langstreckenflug meine ganze Klimabilanz kaputt macht?

Die harte Wahrheit über Flugemissionen

Lass mich dir ein paar Zahlen zeigen, die mich nochmal ziemlich wachgerüttelt haben. Der Luftverkehr ist heute weltweit für etwa 5 Prozent der globalen Erwärmung verantwortlich. Klingt erstmal nicht nach viel, oder? Aber der Sektor wächst jedes Jahr weiter und die Tendenz ist steigend.

Das wirklich Heimtückische am Fliegen ist, dass es nicht nur um das reine CO₂ geht. Beim Fliegen entstehen auch sogenannte nicht-CO₂-Emissionen wie Stickoxide, Rußpartikel, Schwefelpatikel und Wasserdampf. In Flughöhen von 9.000 bis 13.000 Metern haben diese Emissionen eine noch stärkere Klimawirkung als am Boden. Sie führen zur Wolkenbildung und verstärken den Treibhauseffekt zusätzlich.

Um das mal in Perspektive zu setzen: Ein durchschnittlicher Europäer verursacht etwa 10.000 kg CO₂ pro Jahr. Das ist allerdings schon viel zu viel. Um die Klimaerwärmung zu begrenzen, sollte jeder Mensch nicht mehr als 2.300 kg CO₂ pro Jahr verbrauchen. Ein einziger Flug von Berlin nach Palma de Mallorca verursacht aber schon 942 kg CO₂. Das entspricht dem jährlichen CO₂-Ausstoß einer Person in Äthiopien oder einem halben Jahr Autofahren mit einem Mittelklassewagen.

Vermeiden, Reduzieren, Kompensieren: Die atmosfair-Formel

Als ich vor Jahren auf das Thema Flugkompensation stieß, war ich zunächst skeptisch. Ist das nicht einfach nur moderner Ablasshandel? Zahle ich mir damit einfach mein Gewissen frei? Nach intensiver Recherche und vielen kompensierten Flügen kann ich sagen: Nein, so einfach ist es nicht. Aber es ist auch kein Freifahrtschein zum sorglosen Fliegen.

atmosfair arbeitet nach dem Grundsatz „Vermeiden vor Reduzieren vor Kompensieren“. Das bedeutet konkret:

Schritt 1: Vermeiden

Die beste Flugreise ist immer noch die, die nicht stattfindet. Klingt banal, ist aber wahr. Ich stelle mir inzwischen bei jeder geplanten Reise die Frage: Muss ich wirklich fliegen? Gibt es Alternativen? Während ich vor einigen Jahren noch innerhalb Deutschlands flog, habe ich das jetzt ein paar Jahre gar nicht mehr gemacht.

 

Schritt 2: Reduzieren

Wenn Fliegen unvermeidbar ist, gibt es immer noch Möglichkeiten, die Emissionen zu reduzieren. Direktflüge verbrauchen weniger Treibstoff als Flüge mit Zwischenstopps, weil Start und Landung besonders energieintensiv sind. Modernere Flugzeuge sind effizienter als ältere Modelle.

Auch die Buchungsklasse spielt eine Rolle. In der Economy Class entstehen pro Person weniger Emissionen als in der Business oder First Class, weil mehr Menschen auf der gleichen Fläche transportiert werden. Das sind alles Faktoren, die ich bei meiner Flugbuchung inzwischen alleine schon aus Budgetgründen berücksichtige.

 

Schritt 3: Kompensieren

Und wenn alle Stränge reißen? Dann bleibt die Kompensation. Das ist der Punkt, an dem atmosfair ins Spiel kommt.

 

Wie funktioniert Flugkompensation eigentlich?

Das Prinzip ist relativ simpel: atmosfair berechnet basierend auf Flugstrecke, Flugzeugtyp und Auslastung den CO₂-Ausstoß deiner Flugreise. Diesen kannst du dann kompensieren, indem du in Klimaschutzprojekte investierst, die an anderer Stelle CO₂-Emissionen einsparen.

Wichtig zu verstehen: Die Emissionen deines Fluges werden nicht neutralisiert oder rückgängig gemacht. Das CO₂ ist bereits in der Atmosphäre. Aber durch die Kompensation werden an anderer Stelle Emissionen eingespart, die sonst entstanden wären. Es geht also um einen Ausgleich im globalen CO₂-Haushalt.

Die Projekte, in die atmosfair investiert, umfassen vor allem erneuerbare Energieprojekte und Projekte zur Energieeffizienz. Das können Solaranlagen sein, effiziente Kochöfen oder Biogasanlagen. Alle Projekte werden von unabhängigen Prüfern kontrolliert und die CO₂-Einsparungen werden wissenschaftlich bestätigt.

 

Ein Beispiel aus der Praxis: Effiziente Öfen in Nigeria

Was mir an atmosfair besonders gefällt, ist die Transparenz. Du siehst genau, wohin dein Geld fließt und was damit bewirkt wird. Ein Projekt, das mich besonders beeindruckt hat, sind die effizienten Kochöfen in Nigeria.

Stell dir vor: In Nigeria nutzen etwa 75 Prozent der Familien Holz zum Kochen, im Norden des Landes sind es sogar bis zu 99 Prozent. Eine durchschnittliche Familie mit sieben Personen verbraucht dabei etwa vier Tonnen Holz pro Jahr. Vier Tonnen! Das hat zu einer nahezu vollständigen Abholzung der Wälder im armen Norden geführt und trägt massiv zur Wüstenausbreitung bei.

Die effizienten Öfen, die atmosfair fördert, benötigen beim Kochen etwa 80 Prozent weniger Holz. Sie verbrennen das Holz außerdem sauberer, was die Gesundheit der Frauen und Kinder verbessert, die beim Kochen über offenem Feuer ständig Rauch ausgesetzt sind.

Mit den Spendengeldern aus der Flugkompensation senkt atmosfair die Verkaufspreise der Öfen, damit sich auch Familien mit geringem Einkommen die Öfen leisten können. Das Ergebnis: weniger Abholzung, bessere Gesundheit und erhebliche CO₂-Einsparungen. Das ist für mich echte Entwicklungszusammenarbeit und Klimaschutz in einem.

 

Was atmosfair von anderen Anbietern unterscheidet

Inzwischen gibt es ja viele Anbieter für Flugkompensation. Warum genau atmosfair? Ich habe mich intensiv mit dem Thema beschäftigt und einige Punkte haben mich überzeugt.

Gemeinnützigkeit

atmosfair ist eine gemeinnützige Organisation ohne kommerzielle Interessen. Das bedeutet, alle Spenden fließen direkt in Klimaschutzprojekte, ohne dass jemand daran verdienen will. Das ist für mich ein wichtiger Punkt, weil ich wissen möchte, dass mein Geld wirklich ankommt.

Transparenz und Effizienz

atmosfair folgt einer klaren 90:10 Regelung: Nie mehr als 10 Prozent der Ausgaben werden für Verwaltungskosten verwendet, mindestens 90 Prozent fließen direkt in Klimaschutzprojekte. Zuletzt waren es sogar 95 Prozent. Das wurde auch vom Deutschen Zentralinstitut für soziale Fragen mit dem Spenden-Siegel bescheinigt.

Diese Effizienz ist beeindruckend. Viele andere Organisationen haben deutlich höhere Verwaltungskosten. Bei atmosfair kannst du sicher sein, dass dein Beitrag wirklich für den Klimaschutz eingesetzt wird.

Wissenschaftlich fundierte Berechnung

Was atmosfair außerdem auszeichnet, ist die genaue Berechnung der Flugemissionen. Viele Anbieter rechnen nur das reine CO₂. atmosfair berechnet die Klimawirkung der gesamten Flugemissionen, also auch die nicht-CO₂-Emissionen wie Stickoxide, Rußpartikel und Wasserdampf.

Das führt dazu, dass die berechneten Emissionen bei atmosfair oft höher sind als bei anderen Anbietern. Aber genau das ist ja der Punkt: Es geht um eine realistische Einschätzung der tatsächlichen Klimawirkung, nicht darum, möglichst niedrige Zahlen zu präsentieren.

Vielfacher Testsieger

atmosfair ist Testsieger in allen vergleichenden Studien zur Flugkompensation. Das liegt an der Kombination aus hoher Transparenz, geringen Verwaltungskosten, hochqualitativen Klimaschutzprojekten und der wissenschaftlich fundierten Emissionsberechnung.

Engagement für grünes Kerosin

Was mir auch gefällt: atmosfair schaut in die Zukunft. Neben der Kompensation betreibt die Organisation Projekte zur Entwicklung von grünem Kerosin aus erneuerbaren Quellen. Das ist wichtig, weil Kompensation langfristig keine Lösung sein kann. Wir brauchen Technologien, die das Fliegen selbst klimafreundlicher machen.

 

Die große Frage: Reicht Kompensation aus?

Lass mich ehrlich sein: Nein, Kompensation allein reicht nicht aus. Der Flugverkehr wächst weltweit dramatisch. Billigfluglinien und fallende Preise haben zu einem enormen Anstieg der Flugreisen geführt. Die Effizienzgewinne durch modernere Flugzeuge können dieses Wachstum bei weitem nicht ausgleichen.

Wir brauchen einen grundsätzlichen Wandel in unserem Mobilitätsverhalten. Weniger Fliegen, mehr Zugreisen, längere Aufenthalte statt Kurztrips. Wir brauchen politische Rahmenbedingungen, die nachhaltiges Reisen fördern und klimaschädliches Verhalten verteuern. Und wir brauchen technologische Innovationen, die das Fliegen selbst klimafreundlicher machen.

Aber bis diese großen Veränderungen Realität werden, ist die Kompensation eine sinnvolle Möglichkeit, wenigstens einen Teil der Verantwortung zu übernehmen. Sie ist besser als nichts zu tun. Und sie unterstützt gleichzeitig wichtige Entwicklungsprojekte in ärmeren Ländern.

 

Was du jetzt tun kannst

Falls du bis hierhin gelesen hast, gehörst du vermutlich zu den Menschen, die das Thema ernst nehmen. Das ist großartig. Hier sind ein paar konkrete Schritte, die du jetzt gehen kannst:

Berechne mal die Emissionen deiner letzten Flugreise auf der atmosfair-Website. Das dauert zwei Minuten und kann ganz schön augenöffnend sein. Die Website zeigt dir auch Vergleichswerte an, wie sich die Klimawirkung zu einem Jahr Autofahren oder dem jährlichen CO₂-Ausstoß einer Person in Äthiopien verhält.

Überlege dir für deine nächste Reise ganz bewusst: Muss ich wirklich fliegen? Es gibt so viele spannende Ziele, die mit der Bahn erreichbar sind. Europa hat ein fantastisches Zugnetz, das wir viel zu selten nutzen.

Wenn du fliegst, kompensiere deinen Flug. Die paar Euro machen beim Ticketpreis kaum einen Unterschied, bewirken aber viel. Und nein, das ist kein Ablasshandel. Es ist ein kleiner Beitrag zu einer komplexen Lösung.

Sprich mit Freunden und Familie über das Thema. Nicht missionierend, sondern aus deiner persönlichen Erfahrung heraus. Teile deine Überlegungen, deine Zweifel, deine Lösungsansätze. Veränderung passiert auch durch Gespräche.

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Steven Hille

Steven ist der Autor des nachhaltigen Reiseblogs Funkloch. Irgendwann dachte er sich, dass er nur noch Projekte realisieren sollte, die einen guten Nutzen haben. Aus dieser Idee heraus sammelte er Spenden für ein Tigerbaby, unterstützte ein nationales Bienenprojekt, baute einen Brunnen in Uganda und gründete mit Freunden die NGO WeWater, die sich für sauberes Trinkwasser einsetzt.

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