Startup "Original Unverpackt" eröffnet verpackungsfreien Supermarkt

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13 Mai

Startup "Original Unverpackt" eröffnet verpackungsfreien Supermarkt

13. Mai 2014

Grenzenlose unberührte Strände, butterweicher Sand und türkisfarbenes Wasser. Die Ebbe zieht das Meereswasser langsam zum Horizont zurück und deckt einige der Korallenriffe der ruhigen Insel Pulau Besar auf. Wir entdecken Seesterne, Krabben und kleine Fische. Doch erst als das Wasser verschwunden ist, wird das wahre Bild für uns erkennbar. Ich greife in das knietiefe und angenehm warme Wasser und will eine Koralle berühren. Doch ehe ich zugreifen kann, bewegt sie sich einige Zentimeter von mir weg. Erst als ich genauer hinsehe, erkenne ich, dass die vermeintliche Koralle eine Dose ist.
Ich schaue mich genauer um. Alte Fischernetze, Getränkedosen und Plastikbeutel. Müll. Überall. Die freigelegten Sandbänke sind übersäht davon. Wir trauen unseren Augen nicht und haben im ersten Moment keine Ahnung, woher der ganze Abfall kam. Die Antwort lag vor uns: Das Meer hat den Abfall vom Festland angespült.
Ich werde ruhig. Immer ruhiger und nachdenklicher, bevor sich mein ganzer Frust entlädt: Ich hasse Menschen.
Warum tun sie der Natur das an? Warum können sie nicht nachhaltiger mit dem wundervollen Erbe dieser Welt umgehen? Warum ist der Strand dieser menschenleeren Insel mit unfassbaren Mengen Müll belagert?
Einige Monate später sehe ich die Dokumentation „North of the Sun“. Sie handelt von den beiden Norwegern Inge Wegge und Jørn Ranum, die in einer Bucht Norwegens den Winter verbringen. Doch das Abendteuer, das die beiden sich außerhalb der Zivilisation vorstellten, endete mit drei Tonnen Müll. Das ist die Menge an Abfällen, die beide innerhalb der neun Monate am Strand sammelten und von einem regionalen Entsorgungsunternehmen abholen ließen.
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Ein Problem, das wir innerhalb der Großstädte kaum mitbekommen. Täglich kommt die Müllabfuhr vorbei und katapultiert unzählige Millionen Tonnen Abfälle in Verbrennungs- und Recyclinganlagen. Doch laut Bund für Umwelt- und Naturschutz landen jährlich 6,4 Millionen Tonnen Müll in unseren Weltmeeren. Jedes Jahr!
Eine Zahl, die kaum vorstellbar ist. Daher hier ein Anschauungsbeispiel. Würde man die 6,4 Millionen Tonnen Müll in 1.000-Liter-Abfalltonnen packen und dicht nebeneinander stellen, so würde man damit eine Fläche der elffachen Größe von Berlin füllen! Und damit wäre „nur“ der Müll visualisiert, der in den Meeren landet. Unglaublich …
Das Berliner Startup „Original Unverpackt“ geht dem Problem auf den Grund. Es setzt da an, wo der Müll zu einem großen Teil entsteht. Beim Konsum.
Bei der Produktion von Einwegverpackungen für den Handel entsteht unter Verbrauch von Rohstoffen und Wasser ein vermeidbarer Anteil Müll, meinen die jungen Gründerinnen von Original Unverpackt.
Das wird jeder von euch schon mal erfahren haben. Denn kaum ist man nach dem Einkauf zu Hause angekommen, hat die Vorräte verstaut, muss auch schon das heimische Gefilde wieder verlassen werden: Weil der Mülleimer aus allen Nähten platzt. Cornflakes in Pappschachteln und Tüten oder
Tomaten in Plastikschälchen und Folie. Oft werden Lebensmittel doppelt und dreifach und total überflüssig verpackt. Das muss ein Ende haben!
Und das wird es auch. Denn Original Univerpackt will mit Hilfe eines Crowdfundings auf startnext.de schon sehr bald einen Supermarkt in Berlin eröffnen, in dem Lebensmittel komplett unverpackt eingekauft werden können. In den Supermarkt könnten in Zukunft die heimischen Vorratsbehälter mitgebracht werden. Für die spontanen Einkäufer wird es die Möglichkeit geben sich Behälter zu leihen oder recycelte Papiertüten zu verwenden.
Über die Plattform wird aktuell noch nach Unterstützern gesucht, doch die Karten liegen gut, ja sehr gut sogar. Bereits jetzt ist das finanzielle Ziel des Crowdfundings erreicht und die Kampagne läuft noch ganze 34 Tage! Das Projekt wird unglaublich gut angenommen und findet viele Unterstützer, die alle ähnlich wie User Ulf Morys kommentieren:
 
„Die Idee liegt in der Luft und schreit nach Umsetzung. Wir haben einen Groß-Haushalt und mir wird schlecht, wenn ich sehe, was wir jede Woche an Verpackungen wegwerfen. Macht bitte, bitte einen aggressiven Business-Plan daraus mit schnellem, überregionalen Roll-Out. Vielleicht als crowd-gefundetes Franchise-System ? Wenn ihr Ansprechpartner / Interessenten / Kontakte u.ä. im Rheinland braucht – einfach melden. Auch wenn die Idee selber auf fruchtbaren Boden fällt – ein bisschen Anstoßhilfe kann nie schaden.“
 
Ein sehr gutes Projekt, das unsere Erde wieder ein Stück besser und sauberer machen wird. Schade, dass es überhaupt so weit kommen musste, dass selbst verlassene Inseln und die Tiefsee vermüllt sind.
Wenn ihr auch ein Interesse daran habt, dass eure Enkel die Erde noch in einer gewissen Schönheit und Vielfalt entdecken können – unterstützt das Projekt ebenfalls. Ich für meinen Teil habe das gerade getan.
 

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Steven Hille

Steven ist der Autor des nachhaltigen Reiseblogs Funkloch. Irgendwann dachte er sich, dass er nur noch Projekte realisieren sollte, die einen guten Nutzen haben. Aus dieser Idee heraus sammelte er Spenden für ein Tigerbaby, unterstützte ein nationales Bienenprojekt, baute einen Brunnen in Uganda und gründete mit Freunden die NGO WeWater, die sich für sauberes Trinkwasser einsetzt.