Brandenburger Tor Berlin – ein wandlungsfähiges Wahrzeichen

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5 Okt

Brandenburger Tor Berlin – ein wandlungsfähiges Wahrzeichen

5. Oktober 2021

Brandenburger Tor Berlin:

 

Das Brandenburger Tor ist das bedeutsamste Wahrzeichen der Stadt Berlin. Die Lage, der Bau und die Geschichte sind einzigartig. In diesem Funkloch-Text wird gezeigt, weshalb das Brandenburger Tor Berlin für kontinuierliche Wandlungsfähigkeit steht.

 

Brandenburger Tor Berlin: Lage

Im Herzen von Berlin – dort befindet sich das Brandenburger Tor. Der Prachtboulevard Unter den Linden führt vom Berliner Dom bis zum berühmten Pariser Platz, auf welchem das Brandenburger Tor steht.

Unter den Linden ist die älteste Flaniermeile in ganz Berlin. Neben dem Brandenburger Tor und dem Berliner Dom befinden sich entlang der Straße unter anderem die Museumsinsel, die Staatsoper und das Humboldt Forum. Wer sich touristisch in Berlin aufhält, sollte Unter den Linden nicht auslassen.

Blick auf das Brandenburger Tor

 

Brandenburger Tor Berlin: Maße und Baustil

Wohl jede*r hat ein Bild vor Augen, doch nicht alle kennen die genauen Maße: Das Brandenburger Tor ist 26 Meter hoch, 11 Meter lang und ganze 65,5 Meter breit. Die sechs Säulen haben unten einen Durchmesser von 1,75 Meter. In der mittleren Durchfahrt kann eine Breite von 5,65 Meter gemessen werden, die anderen Durchfahrten weisen eine Breite von 3,80 Meter auf.

Der Baustil des Brandenburger Tores ist dem Klassizismus zuzuordnen – eine Epoche, die den Zeitraum zwischen 1770 und 1840 bezeichnet. Es besteht aus Elbsandstein.

 

Brandenburger Tor Berlin: Entstehung, Funktion & Bedeutung

Den Bau des Brandenburger Tores in Auftrag gegeben hat der Preußische König Friedrich Wilhelm II., um die Schönheit der Prachtstraße Unter den Linden abzurunden. Errichtet wurde es zwischen 1788 und 1791. Der König von Preußen verfolgte – neben den architektonisch-ästhetischen Absichten – auch innen- und außenpolitische Ziele: Es sollte ein Ausdruck seiner Macht sein.

Diese Zielsetzung wird auch an dem Bauvorbild für das Brandenburger Tor Berlin erkennbar. So nahm sich Friedrich Wilhelm II. die Propyläen der Akropolis von Athen zum Vorbild – ein monumentaler Torbau in der griechischen Hauptstadt.

Bei der Planung nicht vernachlässigt werden sollte die Funktionalität, die dem Tor zugrunde lag. Letztendlich handelt es sich bei dem Brandenburger Tor Berlin um eine Durchfahrtsmöglichkeit. Das Passieren des Tores sollte dabei überwachbar sein.

Der Architekt des Brandenburger Tores war Carl Gotthard Langhans. Langhans, der in Polen geboren wurde, gilt als einer der bedeutendsten Architekten in der Geschichte Berlins. Das griechische Vorbild interpretierte der Architekt dabei teilweise neu, da das Brandenburger Tor Berlin zum Beispiel nicht den Blick auf den Berliner Horizont verdecken sollte.

Hervorgehoben werden muss die Quadriga, welche oben auf dem Brandenburger Tor angebracht ist. Die Quadriga ist ein zweirädriger Streitwagen, der von vier Pferden gezogen wird, deren Zügel wiederum die Siegesgöttin Victoria in der Hand hält. Der renommierte Zeichner und Bildhauer Johann Gottfried Schadow hat die Quadriga angefertigt. Schadow, der als Urvater der Berliner Bildhauerschule bezeichnet wird, hat dem Brandenburger Tor Berlin damit den Feinschliff verliehen. Die fertiggestellte Quadriga wurde schließlich 1793 auf das Brandenburger Tor gesetzt.

Die Quadriga sollte den Einzug des Friedens in die Stadt symbolisieren. Das erklärt auch, warum die Figur auf dem Wagen ursprünglich nicht die Siegesgöttin Victoria, sondern die Friedensgöttin Eirene darstellen sollte. Erst im Laufe der Geschichte wandelte sich die Deutung der gemeinten Figur.

 

Die Quadriga des Brandenburger Tores

 

Brandenburger Tor Berlin: Geschichte

Die Geschichte des Brandenburger Tores steht stellvertretend für die Geschichte Deutschlands und Berlins. Historische Großereignisse spielten sich rund um das Brandenburger Tor ab. Es war ein Prestigesymbol, ein Symbol der Hoffnung und zeitweise auch gesellschaftlich unbedeutend. Um das nachzuvollziehen, müssen mehrere Zeitkapitel betrachtet werden.

 

Brandenburger Tor Berlin: Geschichte – Napoleon

Jemand, der die Besonderheit des Brandenburger Tores direkt erkannt hat, war Napoleon. Der französische General – der trotz seiner damals recht durchschnittlichen Größe Namensgeber für den Napoleon-Komplex ist – hatte es auf die Quadriga abgesehen.

Die Preußische Armee führte 1806 einen Krieg gegen Frankreich, der verloren ging. Im Oktober 1806 zogen die französischen Truppen dann in Berlin ein – angeführt von ebenjenem Napoleon. Napoleon wollte ein Zeichen setzen, um seinen Sieg und damit seine Stärke zu unterstreichen. Dafür herhalten musste die Quadriga, die zum damaligen Zeitpunkt gerade einmal 13 Jahre alt war.

Napoleon ließ die Quadriga vom Brandenburger Tor abmontieren, damit er sie als Trophäe nach Frankreich bringen konnte. Bildhauer Johann Gottfried Schadow bat höchstpersönlich darum, dass die Quadriga erhalten bleiben solle – vergeblich. Sie wurde in 12 Kisten verpackt und nach Paris geschickt. Dabei erlitt das ehemalige Friedenssymbol erhebliche Schäden.

In Frankreich angekommen stellte sich die Frage, was mit der Kriegstrophäe geschehen sollte. Sie musste restauriert werden, aber der Verwendungszweck blieb zunächst ungeklärt. Es gab einige Pläne, die nie umgesetzt wurden. Einer davon sah vor, sie als Triumphtor für die französischen Soldaten aufzubereiten. Dieser Plan wurde nicht umgesetzt. Schließlich wurde sie stattdessen in dem Louvre-Kunstmuseum ausgestellt.

Knapp 8 Jahre später wurde sie in Folge des Sieges über Frankreich wieder nach Berlin gebracht. Jubelnde Menschen empfingen den Wagen, auf welchem sie zurück zu ihrer Heimat transportiert wurde. Die Wiedergutmachung des Kunstraubes von Napoleon wird seitdem als Prototyp der „Retourkutsche“ bezeichnet. Die Quadriga wurde dabei um den Preußenadler und das Eiserne Kreuz ergänzt.

Der Pariser Platz

Brandenburger Tor Berlin: Geschichte – Zweiter Weltkrieg

Seit der Verfrachtung der Quadriga an ihren Ursprungsort erlebte das Brandenburger Tor ruhigere Zeiten. Zwar musste man ab und an auf Alterserscheinungen (unter anderem auf abfallende Steinbrocken) reagieren, aber es war keine Verteidigung mehr gegen feindliche Truppen und deren Entwendungsversuche nötig.

Dass die Gefahr auch aus dem eigenen Land kommen kann, zeigten dann der Zweite Weltkrieg und das, was ihm vorausging. Missbraucht wurde das Brandenburger Tor in dieser Zeit als Schauplatz für Fackelzüge oder übertriebene Machtdemonstrationen der Nazis.

Im Zuge des Zweiten Weltkrieges wurde das Brandenburger Tor Berlin heftig beschädigt. Bombenangriffe und Kugelschüsse hinterließen Zerstörungen am Tor und der Quadriga. Die Quadriga wurde teilweise bis zur Unkenntlichkeit zerstört: einzig ein Pferdekopf überlebte die Angriffe. Diesen kann man sich heute im Märkischen Museum anschauen.

Für einige überraschend blieb das Brandenburger Tor trotzdem standhaft. Nach der Kapitulation wurden grobe Restaurationsarbeiten durchgeführt – zu diesem Zeitpunkt bereits von Ost- und West-Berlin separat ausgehend. Dennoch konnte man die entstandenen Schäden für einige Jahre erkennen.

 

Brandenburger Tor Berlin: Geschichte – Zu Zeiten der Berliner Mauer

Im Jahre 1956 – also noch vor dem Bau der Berliner Mauer – wurden umfangreiche Restaurierungen am Brandenburger Tor durchgeführt. Ein wesentlicher Bestandteil des Wiederaufbaues war das Anfertigen einer Quadriga-Kopie. Wie erwähnt, blieb von dieser in Folge des Zweiten Weltkrieges nur ein Pferdekopf übrig. Kunstschaffenden gelang diese Aufgabe, jedoch wurde bei den Arbeiten auf das Eiserne Kreuz verzichtet, wodurch es keine Kopie im eigentlichen Sinne war.

Als im Jahre 1961 die Berliner Mauer errichtet wurde, lag das Brandenburger Tor fortan in einem sogenannten Sperrbereich. Den Bürger*innen – egal, ob aus Ost- oder West-Berlin – blieb der Zugang verwehrt. Nur die Grenzsoldaten der DDR und ausgewählte Besuchergruppen durften in die Nähe des Wahrzeichens. In Richtung des Westens existierte zu dieser Zeit sogar eine extra dafür erbaute Panzermauer.

Der Symbolcharakter des Brandenburger Tores veränderte sich damit komplett. Einst ein Symbol des Friedens, anschließend eines des Sieges – nun war es ein Symbol der Teilung. Das Brandenburger Tor war damals jedoch nicht nur ein Symbol der Teilung Berlins, sondern ein Symbol der Teilung der Welt. Zwei Gegner wurden durch das Brandenburger Tor in Berlin – symbolisch und wortwörtlich – getrennt.

Für die Berliner*innen war die Distanz zum Brandenburger Tor auch ein Sinnbild der Distanz zu einer gemeinsamen Stadt. Knapp 30 Jahre lang fristete das Brandenburger Tor Berlin ein Schattendasein.

Im Jahre 1987 hielt der damalige US-amerikanische Präsident, Ronald Reagan, eine Rede, in welcher er direkten Bezug auf das Brandenburger Tor Berlin nimmt. Reagan, der seine Rede unmittelbar bei der Berliner Mauer hält, fordert: „Mr. Gorbachev, open this gate! Mr. Gorbachev, tear down this wall!“

 

Brandenburger Tor Berlin: Geschichte – I’ve been looking for freedom!

David “The Hoff” Hasselhoff, 500 000 feiernde Menschen und das Gefühl der Freiheit – gemeint ist die Silvesternacht 1989. Nach vielen, vielen Jahren der unbedeutenden Einsamkeit wurde das Brandenburger Tor wieder zu einem richtigen Wahrzeichen.

Diesem Moment voraus ging die Öffnung der Berliner Mauer, die auf den 9. November 1989 zu datieren ist. Das Ende der Berliner Mauer läutete ein neues Kapitel der Zeitgeschichte ein. Am 22. Dezember 1989 waren über 100 000 Personen dabei, als das Brandenburger Tor Berlin geöffnet wurde. Die Zeiten des Sperrgebietes waren vorbei. Deutschland wurde wiedervereinigt, und der Ort, der die Wiedervereinigung symbolisierte, war das Brandenburger Tor.

Die besagte Silvesternacht ging nicht spurlos an dem Brandenburger Tor vorbei. Wieder war es die Quadriga, die am meisten Schaden erlitt. Feiernde hatten wohl Bauteile gestohlen. Man stellte außerdem fest, dass die Quadriga über die Jahre rostete, weswegen sie ein weiteres Mal restauriert wurde. Im Zuge dessen erhielt sie das Eiserne Kreuz und den Adler, welche zu Zeiten der Teilung entfernt wurden, zurück.

Seifenblasen als Symbole der Freiheit

 

Brandenburger Tor Berlin: Geschichte – Heute

Mittlerweile ist das Brandenburger Tor seit über 30 Jahren wieder ein positives Symbol für Berlin, Deutschland und die Welt. Das Brandenburger Tor wird als Symbol der Wiedervereinigung, des Friedens und des Zusammenhalts gesehen.

Großveranstaltungen verschiedener Art finden seitdem regelmäßig am Brandenburger Tor Berlin statt. Wer an das Brandenburger Tor in den 2000er und 2010er Jahren denkt, wird vor allem Bilder von Silvesterpartys oder Fußball-Fanmeilen im Kopf haben. Immer im Vordergrund bei diesen Bildern: Menschen, die zusammenkommen. Die Atmosphäre, die diesem Ort innewohnt, verleiht diesen Events dabei ein ganz besonderes Gefühl.

Dabei hat das Brandenburger Tor keineswegs an Symbolcharakter verloren. In Gedenken an die Terroranschläge in Paris wurde das Brandenburger Tor am 13. November 2015 in den Farben der französischen Flagge angeleuchtet, um Solidarität auszudrücken. Im Jahre 2016 erleuchtete es in Regenbogenfarben, nachdem in Orlando, USA ein schwulenfeindlicher Terroranschlag verübt worden war. Auch Demonstrationen für den Klimaschutz finden des Öfteren am Brandenburger Tor Berlin statt.

Immer noch ist man sich der Bedeutung bewusst, die das Brandenburger Tor Berlin für die Gesellschaft hat. Die Symbolkraft des Wahrzeichens ist nach wie vor riesig.

 

Brandenburger Tor Berlin: Tipp zum Besuch

Das Brandenburger Tor kann jederzeit besucht werden. Plant man den Besuch dieses historischen Ortes, sollte man sich auch Zeit für die Straße Unter den Linden nehmen. Die 1,5 km lange Prachtstraße entlangzuschlendern lohnt sich allein schon wegen der besonderen Kulisse. Dort trifft – wie so oft in Berlin – Urbanität auf Natur.

 

Alles in allem ist das Brandenburger Tor ein absolutes must visit bei einem Aufenthalt in Berlin. Kennt man die Erlebnisse, die dieses Wahrzeichen erlebt und überlebt hat, macht es die Besichtigung noch etwas besonderer. Das Brandenburger Tor Berlin ist in seiner 230-jährigen Geschichte zu einem Symbol geworden, ohne welches Berlin nicht Berlin wäre. Es bleibt ein kontinuierlich wandlungsfähiges Wahrzeichen, das bereits auf die nächsten Großereignisse wartet.

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Christoph Schmidt

Christoph ist in Berlin geboren, aber überall Zuhause. Er liebt die Strände von Portugal, den Sonnenuntergang in der Schweiz und auch Städtetrips über die Grenzen Europas hinaus. Aber natürlich genießt er auch seinen Wohnsitz in Berlin. Dort geht er regelmäßig auf den Tennisplatz, ins Stadion zu Hertha und frönt gerne der hiesigen Kneipenkultur.