Mit Rad, Bahn, Bus, Spürsinn und Zuversicht.

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20 Okt.

Mit Rad, Bahn, Bus, Spürsinn und Zuversicht.

20. Oktober 2026


von Christian Fries

Eine Reise an Saar, Mosel und Rhein
Mit dem Fahrrad von Saarbrücken nach Köln im Sommer 2026: Saar, Mosel, Rhein, Weinberge, Burgen, schöne Radwege, teils sehr hohe Temperaturen und ein paar organisatorische Rätsel. Nachhaltiges Reisen mit dem Fahrrad unter Beteiligung der Öffis hat in der praktischen Umsetzung gelegentlich noch den Charme eines Feldversuches.

Saarbrücken – Mettlach und die Saarschleife
Die erste Etappe führte entlang der Saar, wo Kraftwerk Fenne, Völklinger Hütte (Abstecher lohnt sich), Dillinger Hütte, Ford-Werke, Halden, Wald, Wiesen und Fluss harmonisch und saarländisch selbstverständlich nebeneinanderstehen. Es war nur leider nicht 100% klar, wo der Saar-Radweg nach Baumaßnahmen aktuell befahrbar ist. In Internet und Verwandtschaft fanden sich dazu nur Informationen mit großem interpretatorischem Spielraum. Am ersten Etappenziel Mettlach hat man jedenfalls schon viel gesehen und das Wahrzeichen des Saarlandes, die Saarschleife, umrundet. Um sie von oben zu bewundern, muss man hinauf zur Cloef bei Orscholz. Das geht entweder über die steile Landstraße ohne Radweg (nach vier Stunden im Sattel nur bedingt reizvoll) – oder mit dem Bus. An der Saarpromenade stehen zwar zwei Haltestellen, vis-à-vis der Villeroy-&-Boch-Welt, allerdings ohne Hinweis darauf, dass sie nicht bedient werden. Sicherer ist der Bahnhof. Dort kommt der Bus pünktlich und bringt einen durch einige Dörfer hinauf zur Cloef. Der Baumwipfelpfad schließt um 17 Uhr. Sonnenuntergang von ganz oben fällt damit aus. Die Originale Aussicht von der Cloef ist ohnehin mindestens ebenso eindrucksvoll. Schwieriger wird die Rückfahrt. Theoretisch fährt etwa stündlich ein Bus aus Luxemburg zurück nach Mettlach (sogar gratis). Praktisch hält er in Orscholz nur nicht dort, wo Besucher:innen der Saarschleife ihn besonders gut gebrauchen könnten. Dommage.
Zur Hauptattraktion des Saarlandes kommt man an Sommerabenden also recht ordentlich hin und irgendwie auch wieder weg. Bei uns übernahm letzteres ein Taxi. Wartezeit einkalkulieren. Großes entsteht immer im Kleinen. Vielleicht irgendwann auch im ÖPNV des Saarlandes.

Saarburg – Konz – Trier
Am nächsten Tag folgte die wirklich schöne Strecke weiter in Richtung Trier. Insbesondere Saarburg lohnt einen Stopp. Das Brückenviertel, auch Klein Venedig genannt, gefällt (draußen nur Kännchen) – nebst Wasserfall mitten in der Stadt. Danach kann man auf direktem Weg Richtung Konz weiterfahren oder (wie wir) den durchaus lohnenden Weg über Wiltingen und Kanzem (Orte mit exzellenten Weingütern) nehmen, mit einigen durchaus ernstzunehmenden Steigungen. (Tipp: Die schnelleren Radwege sind nicht immer die landschaftlich schöneren.) Bei Konz mündet die Saar in die Mosel. Zur Mündung wird man (dank mangelnder Beschilderung) automatisch geleitet, so dass man das Highlight sicher nicht verpasst. Das nächste Etappenziel Trier ist dann nicht mehr weit und nach paar Stunden Fahrt kann man dort die Stadt genießen: bisschen Porta Nigra, bisschen Karl Marx, bisschen Basilika, bisschen Palastgarten. Nach einem sehr guten Essen (mein Sohn möchte das CAO hier lobend erwähnt wissen), dann Ausruhen für die nächste Etappe.



Mosel abwärts
Von Trier Richtung Bernkastel-Kues zeigt sich die Mosellandschaft von ihrer schönsten Seite: Weinberge, kleine Dörfer (alle mit „historischem Ortskern“) und lange Abschnitte, auf denen man einfach richtig schön und abwechslungsreich fahren kann. Bernkastel ist ein guter Zwischenstopp und in Traben-Trarbach überrascht ein Buddha-Museum mit einer großen Sammlung buddhistischer Kunst in einer ehemaligen Jugendstil-Weinkellerei.


Fahrrad und Bahn
Bei den August-Temperaturen, kann auf einer Fahrradtour (ohne E-Antrieb) im Sommer 2026 die Bahn ein Joker sein. In den Regionalbahnen, die potenziell ab Traben-Trarbach entlang der Moselstrecke fahren, gibt es Fahrradabteile, in denen man die Gesetze der Geometrie neu aushandeln kann. Großstädter:innen kennen das aus der S-Bahn. Dort werden dann auch schon mal die großen Fragen des öffentlichen Raumes behandelt: Wer darf wieviel Platz haben oder machen? Ist ein Fahrrad im Fahrradabteil normal oder doch eine persönliche Provokation? Und wie konsensfähig ist unsere Gesellschaft eigentlich bei 33 Grad im Schatten bzw. in der Regionalbahn? Aber hey: irgendwie geht es dann doch.

Cochem und Wasser
In diesen Juli-Tagen 2026 bekam der Wassernachschub bei vielen Stunden auf dem Rad eine hohe Bedeutung. Es ist ein Segen, dass es an einigen Stellen der Strecke Trinkwasserbrunnen oder-hähne gibt. Im einzigen Geschäft in Bahnhofsnähe von Cochem gibt es auch Wasser. Allerdings für 3,50 Euro (weil wir es sind: 3 Euro glatt). Ei, Merci!.
Bessere Einkaufsmöglichkeiten liegen ein paar Kilometer außerhalb Cochem Cond und sind per Bus erreichbar. Durstig, müde und zuversichtlich nehmen wir wahr: Fahrplan verständlich, Haltestelle aktiv. Und: Kleinbus fährt hin, Kleinbus fährt wieder zurück. Nicht schlecht, RLP!

Koblenz, Vallendar, Bonn und Köln
Koblenz besticht durch das Deutsche Eck, wo die Mosel in den Rhein mündet – und
durch eine vorbildliche Radweg-Beschilderung. Das Deutsche Eck erreichen wir die Räder schiebend über das sonnenverbrannte Volksfest „Rhein in Flammen“. Am nächsten Tag, ein paar Kilometer weiter in Vallendar, wird es schon schwieriger. Für Reisende gibt es den einen Rheinradweg, vor Ort aber unterschiedliche Kommunen und Zuständigkeiten. Den Unterschied erkennt man manchmal am nächsten fehlenden Schild. Selbst Komoot und Google Maps helfen nur begrenzt, wenn Sperrungen neu sind oder eine Umleitung inzwischen selbst umgeleitet wird. Auch die Streckenhinweise haben ihre Tücken. Ein kleines Auto-Piktogramm auf dem Radwegweiser kann bedeuten, dass die Route kilometerlang unmittelbar an einer stark befahrenen Landstraße entlangführt – oder dass man sich die Straße gleich mit den Autos teilt…
Rund um Bonn ist der Radweg großzügig und man hat den Rhein bei Niedrigwasser über längere Abschnitte im besorgten Blick. Nach über 200 Kilometern Fahrt stellt sich das schöne Gefühl ein, tatsächlich Strecke gemacht zu haben. Die letzten Kilometer vor Köln die Rheinwiesen streifend und mit Dom am Horizont sind ein schönes Dahingleiten … bis zur ersten Stufe des Domaufstieges (8 € + nehmt euch Wasser mit).

Was bleibt:
Die Vater-Sohn-Fahrrad-Tour entlang von Saar, Mosel und Rhein war ein schönes Erlebnis.
Gemeinsam bewältigt man die kleinen Eigenheiten und Routinen des nachhaltigen Rad-Reisens besser: einpacken, auspacken, Proviant besorgen, Unterkunft buchen (Jugendherbergen besser schon etwas im voraus), im Hotelwaschbecken waschen, abenteuerliche Routenvorschläge von Google Maps in den Wind schlagen, oder mit anderen Radreisenden kurz fachsimpeln, und so weiter.
Schöner wäre es manchmal, wenn die vorhandene Infrastruktur etwas besser synchronisiert wäre. Am Ende hat uns aber nichts die Laune verdorben. Manche Widrigkeit war sogar ziemlich unterhaltsam und machte die Reise umso erinnerungswürdiger.

Saar, Mosel, Rhein: unbedingt zu empfehlen mit Rad, Bahn, Bus, Spürsinn, Zuversicht – und dem richtigen Reisepartner.

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Steven Hille

Steven ist der Autor des nachhaltigen Reiseblogs Funkloch. Irgendwann dachte er sich, dass er nur noch Projekte realisieren sollte, die einen guten Nutzen haben. Aus dieser Idee heraus sammelte er Spenden für ein Tigerbaby, unterstützte ein nationales Bienenprojekt, baute einen Brunnen in Uganda und gründete mit Freunden die NGO WeWater, die sich für sauberes Trinkwasser einsetzt.

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