Ein Blick unter Wasser in Westaustraliens Wildnis

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20 Juli

Ein Blick unter Wasser in Westaustraliens Wildnis

20. Juli 2026

Wenn ich die Augen zumache und an Westaustralien denke, ist es nicht die Hauptstadt Perth, an die ich als erstes denke. Es ist das Wasser. Dieses merkwürdige Gefühl, wenn du reinspringst und für eine Sekunde nicht weißt, was als Nächstes passiert. Ich war jetzt schon drei Mal dort, 2019 mit einem sieben Wochen langen Trip (zusammen mit Neuseeland) und damals habe ich sogar meinen Tauchschein an der Küste Westaustraliens gemacht.

Ich glaube, das sagt eigentlich alles darüber, wie sehr mich dieser Bundesstaat gepackt hat. Ich erinnere mich noch genau an den Moment, als ich zum ersten Mal an der Ningaloo Küste geschnorchelt bin und dachte: Ich habe absolut keine Kontrolle darüber, was mir hier gerade begegnet.

Deswegen bin ich neulich hängengeblieben, als mir ein kurzes Video von Nush Freedman über den Weg gelaufen ist. Sie ist Wildlife und Unterwasser Kamerafrau, lebt am Ningaloo Reef und filmt dort seit Jahren genau das, was ich damals nur für ein paar Tage erleben durfte. Ist dir schon mal aufgefallen, wie unterschiedlich sich das anfühlt, wenn jemand ein Video über einen Ort macht, den er nur besucht hat, im Vergleich zu jemandem, der dort lebt? Bei Nush merkt man sofort den Unterschied.

Gänsehaut, jedes Mal aufs Neue

In dem kurzen Clip beschreibt sie, dass sie jedes Mal Gänsehaut bekommt, wenn sie in Westaustralien ins Wasser geht, weil man nie weiß, was einen erwartet. Genau dieses Gefühl der Unvorhersehbarkeit macht die Region für sie so besonders, verbunden mit der Vielfalt an Meereslebewesen, die man dort antrifft. Sie sagt es nicht mit großen Worten, eher wie jemand, der es einfach immer wieder selbst erlebt und deshalb weiß, wovon sie spricht.

Was mir besonders gefallen hat: Sie beschreibt Westaustralien als einen Ort voller Überraschungen, egal ob es um Tierbegegnungen, Schiffswracks oder Küstenabschnitte geht, an denen einfach niemand sonst ist. Man kann sich dort sein eigenes Abenteuer bauen, wie sie es nennt. Und ich muss gestehen, genau das hat mich damals auch am meisten überrascht. Ich war auf Städte und Sehenswürdigkeiten eingestellt, wie man das aus anderen Australien Reisen kennt, und bin dann in eine Weite gestolpert, in der ich teilweise stundenlang keiner Menschenseele begegnet bin.

Wilde Orte, die man festhalten muss

Am Ende des Videos wird Nush noch ernster. Sie erzählt, wie sehr ihr der Schutz dieser wilden Orte am Herzen liegt, für die Zukunft, und dass wir als Menschen, die das Privileg haben, solche Plätze zu erleben, auch die Verantwortung tragen, sie festzuhalten. Kein erhobener Zeigefinger, eher ein Gedanke, den sie einfach so nebenbei einstreut. Vermutlich, weil sie jeden Tag draußen ist und genau sieht, wie fragil das alles eigentlich ist.

Ich bin kein Meeresbiologe und werde es wohl auch nie sein, aber genau solche Stimmen wie ihre sind es, die mich immer wieder daran erinnern, warum sich der ganze Aufwand mit Kompensation, langsamerem Reisen und bewussteren Entscheidungen überhaupt lohnt. Man merkt es erst richtig, wenn man selbst mal mit offenen Augen im Wasser war und gesehen hat, was da eigentlich alles lebt.

Shark Bay: Wo die Tiere selbst entscheiden, ob sie kommen

Genau dieses Gefühl der Unvorhersehbarkeit, von dem Nush spricht, hat mich auch an der Shark Bay eingeholt, weiter südlich am Ningaloo entlang Richtung Monkey Mia. Ich hatte dort einen Nachmittag, an dem ich eigentlich nur eine kleine Laufrunde am Strand drehen wollte. Stattdessen stand ich am Ende über eine halbe Stunde still und beobachtet, wie ein einzelner Delfin im knietiefen Wasser einen Barsch hinter den Pfählen eines Stegs jagte. Kein Ranger, kein Futterfisch, keine Ansage über Lautsprecher, nur Natur, die einfach passiert. Wie unterschiedlich sich das anfühlt im Vergleich zu der morgendlichen Fütterung am Strand, bei der die Delfine fast pünktlich zum Termin erscheinen, hab ich in meinem Text über die Delfine von Monkey Mia aufgeschrieben. Beides gehört für mich zu Westaustralien dazu, das kontrollierte Erlebnis am Morgen und der komplett zufällige Moment am Nachmittag, den dir niemand versprechen kann.

Und weil es an diesem Küstenabschnitt nicht nur um Tiere im Wasser geht, war für mich auch der Abend an Land ein Highlight. Bei einer Didgeridoo Dreaming Night Tour mit Darren Capewell, den alle nur Capes nennen, hab ich unter einem Sternenhimmel ohne jedes künstliche Licht etwas über die Kultur der Malgana und Nhanda gelernt, über Sternbilder, die seit Zehntausenden Jahren zur Orientierung dienen, und über den einen Satz, der bei mir hängen geblieben ist: Nimm nur, was du brauchst, und frag die Ahnen um Erlaubnis. Genau dieser Respekt vor dem Land ist es, den auch Nush im Video anspricht, nur eben aus der Perspektive einer Kamerafrau statt eines Ureinwohners. Mehr dazu findest du in meinem Text über die Didgeridoo Dreaming Night Tour.

Wenn du selbst tiefer reingucken willst

Das Video von Nush Freedman selbst findest du hier: Dreamer Nush Freedman: Nature and Wildlife.

Kennst du das auch, dieses Gänsehautgefühl, wenn du ins Wasser gehst und einfach nicht weißt, was dich erwartet? Oder war es bei dir eher ein Ort an Land, der dich so überrascht hat?

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Steven Hille

Steven ist der Autor des nachhaltigen Reiseblogs Funkloch. Irgendwann dachte er sich, dass er nur noch Projekte realisieren sollte, die einen guten Nutzen haben. Aus dieser Idee heraus sammelte er Spenden für ein Tigerbaby, unterstützte ein nationales Bienenprojekt, baute einen Brunnen in Uganda und gründete mit Freunden die NGO WeWater, die sich für sauberes Trinkwasser einsetzt.

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